Verlag Dr. Kovac / Autor: Filip Fartat

 


Eigenschaften biologischer Gruppen ergeben sich aus denen der Individuen, ergo findet die Selektion auf Ebene des Individuums statt, jedoch ist für eine Population die Auswirkung eines Selektionsfaktors auf die Genfrequenz (das sogenannte Gendrift), laut der synthetischen Evolutionstheorie (siehe Mayr 2003), als Erweiterung der klassischen Evolutionstheorie von Charles Darwin und Alfred Russel Wallace entscheidend. In diesem Zusammenhang spielt die Theorie der Verwandtenselektion (vgl. Hamilton 1963, S. 354 ff.) eine bedeutende Rolle. Die Gesamtfitness ist laut diesem Konzept sowohl an der Eigenschaft des Individuums als auch an der Verbreitung unter Verwandten feststellbar. Je höher der Verwandtschaftsgrad ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit der Weitergabe eigener Gene an die nachfolgenden Generationen. Dies wird dann auch zur Verbreitungsmaximierung eingesetzt und an Umweltbedingungen durch natürliche Selektion angepasst. Dieses „Helfer-Gen“ Konzept wird auch laut der Theorie des reziproken Altruismus vertreten (vgl. Rice 2007, S. 16 f.). Dieses besagt, dass nicht nur zwischen Verwandten Hilfe angeboten wird, sondern auch dann, wenn als Folge seiner Hilfeleistung, auch eine Gegenhilfestellung erwartet wird (vgl. Trivers 1971, S. 35 ff.). Diese Theorie der Reziprozität wurde durch Experimente und Modelle wie das Gefangenendilemma als Teil der Spieltheorie unter Beweis gestellt. Auf Basis dieser Erkenntnisse kann man die Muster des menschlichen Sozialverhaltens ableiten.

Auch in der menschlichen Soziobiologie treten die Verwandtenselektion oder der reziproke Altruismus durch selektive, gesellschaftsübergreifend übereinstimmende Verhaltensmuster auf (vgl. Krüger 1990, S. 135 ff.). So werden gesellschaftsdienliche Verhaltensmuster, wie eine etablierte Paarbindung, mütterlicher Schutztrieb, Respekt vor Rangordnung und Fremdrevieren auch genetisch bzw. endokrinologisch selektiert (siehe Zippelius 2011). Bei elterlichen Schutz- und Pflegeaufgaben bspw. werden evolutionsbedingt Oxytocine, während bei Verstößen gegen Fremdreviere Stresshormone wie Cortisol ausgeschüttet werden, um die Gesellschaft von Konflikten zu entlasten. So geht man davon aus, dass es angeborene Verhaltensdispositionen als Elemente unserer Moral, Rechtsgefühls und Gerechtigkeitsvorstellungen gibt (siehe Wilson 1980). Konrad Lorenz geht ebenfalls von einer Wechselwirkung zwischen genetisch bedingter geistiger Entwicklung und kultureller Verhaltensweisen aus. Besser angepasste Verhaltensweisen werden häufiger verbreitet, und somit hilft Kultur bei der besseren Lösungsfindung essentieller Probleme wie die Selbsterhaltung (siehe Lorenz 1973).

Steuern wir auf das Ungewisse oder auf das Unvermeidbare zu?

Die darwinistische sowie die daraus in den 1950er Jahren, nachträglich entwickelte Synthetische Evolutionstheorie setzen die spezielle Entwicklung der einzelnen Individuen und Populationen durch Selektion und Gendrift in den Hauptfokus, nicht die des Mediums, in dem sie sich befinden und fortbestehen.


Vielmehr allerdings bezieht sich die Evolution auf die Gesamtheit der Umweltkomponenten und Individuen, die zum Ganzen gehören. Organismen entwickeln sich mit deren Umwelt mit, wandern in eine andere Umgebung oder sterben aus.

Die Umwelt diktiert die Entstehung und Präsenz der sich darin befindlichen Organismen. Mangel an Anpassungsfähigkeit durch kognitives Steuern oder generationsübergreifend durch Mutationen in der DNS-Struktur im Zusammenhang mit der Regelung der stochastischen Normalverteilung - der sogenannten  Gauß'schen Glockenkurve, führen zum Aussterben und Geburt neuer Spezies durch chemische Evolution.

Eine weitere Möglichkeit zum Überleben der Spezies ist die Auswanderung in ein anderes Medium, bspw. in wärmere oder nahrhaftere Umgebungen, wenn diese Umwelten wie bspw. Inseln, Kontinente, Planeten oder Galaxien von den einzelnen Individuen erreichbar sind. Verändert sich das Medium nicht, so müssen sich die darin lebenden Organismen auch nicht ändern. Es ist also eine Reaktion der einzelnen Spezies auf die Umweltevolution. Die zentrale Frage ist somit, warum sich die Umwelt ändert.
Gibt es so etwas wie eine DNS der Umwelt, in der alle Informationen über Strukturen und Funktionsweisen gespeichert werden, einen Plan zur Entwicklung von Materie und Energie im Universum?

Die Wissenschaft mit den Fragen nach dem "Warum?" (kritische Theorie) stößt hier sehr schnell an ihre Grenzen, bspw. beim Aufwerfen von Fragen wie "Warum gibt es DNS, mechanische Kräfte, Gravitation, oder die Weltordnung in der jetzigen Form?".

Als Antwort hierfür bietet sich alternativ zur klassischen Erklärung der Evolution (Kontingenztheorie) die Konvergenztheorie von Simon Conway Morris an.
Diese besagt, dass viele Funktionalitäten in der Evolution unabhängig voneinander entstanden sind und dass diese analog parallel oder nacheinander nach einem vorher bestimmten Plan geschehen, laut dem selbst die menschliche DNS schon zu Zeiten des Urknalls feststand.

Das hieße, alles was wir vollbracht haben und wohin wir uns hinentwickeln ist schicksalsähnlich vorherbestimmt und unumstößlich. Exogene Ereignisse beeinflussen dieses Kontinuum nur insoweit, dass das Unvermeidbare temporär aufgeschoben wird.
Fehlerhafte Mutationen in der Entwicklung, die nicht hilfreich oder sogar störend sind, wie Form oder Größe der Beine, Augen oder des Geburtskanals wären somit nur Stolpersteine auf dem Weg zum perfekten Körperbau.
Auch unumstößlich scheint die Bewegung der Materie und der damit zusammenhängenden Energie. Die Anziehungskraft hält Objekte zusammen bis sie ineinander fallen, nachdem sie aufgrund kumulierter Energie auseinander gerissen wurden. Der Prozess wiederholt sich nach einem festgelegten nachvollziehbaren physikalischen Prinzip.

Doch ist es für uns akzeptierbar, dass wir auf das Unvermeidbare zusteuern, ohne einen wesentlichen Einfluss darauf zu haben oder ziehen wir den Weg der Ungewissheit und Selbsterfahrung der Evolution ins Unbekannte vor...?
Diese Entscheidung wird tatsächlich jedem Einzelnen und nicht der Umwelt in ihrer Gesamtheit überlassen!




Das Verhalten von Individuen in der Gruppe im Tierreich ist primär geprägt von der Motivation zur Gewinnung und Beibehaltung der Dominanz innerhalb der Reviergrenzen, wenn keine zusätzlichen Faktoren wie Familie, Kinder oder endokrinologisch gesteuerte Motivation vorhanden sind.

Im Experiment werden im Jahr 2014 zwei Zwergkaninchen (Kaninchen F und Kaninchen S) ab einem Alter von 3 Wochen miteinander in einem 5qm Bereich gehalten. Nach einigen Monaten finden zwischen den Kaninchen vermehrt Kämpfe um die Festlegung der Rangordnung. Kaninchen F behauptet sich als Alphatier und darf zuerst essen und sich den Schlafplatz aussuchen. 
Nach weiteren Monaten wird Kaninchen F aufgrund einer Verdauungserkrankung schwächer und kurz vor dem Ableben bevor er zum Tierarzt gebracht wird. 
Kaninchen S merkt die Veränderung und will die Oberhand über das Revier gewinnen. Es findet ein heftiger Kampf statt, bei dem Kaninchen S verletzt wird und in der Tierklink genäht werden muss.
Kaninchen F wird wieder zum Alphatier und Kaninchen S zum Omega.
Der Umgang mit Menschen ist ab diesem Zeitpunkt auch geprägt von der Fragestellung der Dominanz und Revierbetretung. 
Kaninchen S lässt sich leichter streicheln, da für ihn innerhalb des Reviers dies Unterwerfung bedeutet und dies lässt er zu. Kaninchen F hingegen rennt weg, sobald man ihn streicheln will, da er diese menschliche Geste als Bedrohung seiner Stellung als Alphatier interpretiert wird.
Allerdings sobald er auf dem Arm seines Besitzers ist, nehmen die Proteste ab, da er Besitzers Arm nicht mehr zu seinem Revier zählt und sich selbst in dem Zusatzrevier nicht mehr als Alphatier betrachtet.

Das Verhalten aus dem Tierreich kann auf das vereinfachte menschliche Verhalten übertragen werden, da dieselben Muster, cachiert von gesellschaftlichen Normen und Konventionen oder gemäß der Befindlichkeit in der Maslowschen Pyramide, erkannt werden können. 
Beispielsweise werden im Arbeitsumfeld vermehrt Kämpfe um die Macht innerhalb von Abteilung und das Bestreben sichtbar, den Einfluss auf größere Sphären zu verbreiten.

Im Familienumfeld wird öfters darum gerungen, wer die Entscheidungen im Bereich der Kindererziehung oder Freizeitaktivität trifft.
Copyright © 2017 Der Wissenschaftsblog - Wissenschaft für alle!